20 „Virtuelle Kraftwerke“ und Hochverfügbarkeit Experteninterview mit Dennis Zimmer, CTO bei der icomasoft AG (www.icomasoft.com/powerscripter), Autor zum Thema Virtualisierung (z. B. VMware ESX 3.5: Automatisierung, Befehle, Skripting) und Betreiber der Community-Webseite www.vmachine.de Herr Zimmer, wann haben Sie das Thema Virtualisierung für sich entdeckt? 1999 arbeitete ich in der Administration und habe das Thema für die Simulation von Firewalls als vorteilhaft erkannt. Damals war es hochinteressant, das Unternehmensnetz per Virtualisierung auf dem eigenen Computer nachzubauen und so einen Teil des Firmenrechenzentrums immer verfügbar zu haben. 2002 habe ich bei der Karlsberg Brauerei die ersten VMware GSX und ESX Versionen eingeführt, der erste Schritt um nach und nach alle physikalischen Server in die virtuelle Landschaft zu ziehen. 2004 hatten wir dann fast 80 % der Server virtualisiert, relativ früh für den Mittelstand. Danach bin ich in die Beratung gewechselt. Ich hatte das Glück, an einigen der größten Projekte für virtuelle Infrastrukturen mitzuwirken und habe gelernt: Je breiter man aufgestellt ist, desto besser kommt man mit der Virtualisierung zurecht. Weil verschiedene Themen und Aufgaben konsolidiert werden? Definitiv. Die Hardware und der Verwaltungsaufwand werden weniger. Das geht wirklich soweit, dass man einen Server schon mit Virtualisierungsplattform geliefert bekommt und die virtuellen Maschinen darauf betreiben kann. Allerdings steigt die Notwendigkeit übergreifenden Know-hows, da viele Technologien konsolidiert ineinander greifen. Wie haben sich die Herausforderungen an das Consulting seit den Anfangstagen verändert? Ein Merkmal bei größeren Unternehmen sind heute die sogenannten „Towers“. Das Netzwerkteam ist für Netzwerk zuständig, das Storageteam für Storage, das Serverteam für Server. Dort darf man sich nicht auf ein Team versteifen, sondern muss alle mit ins Boot nehmen, damit sie die Virtualisierung erfolgreich betreiben können. Haben alle Unternehmen das Potenzial von Virtualisierung bereits entdeckt? Definitiv nicht. Die Pionierphase hat das Thema hinter sich gelassen, die Konservativen jedoch noch nicht erreicht. Es gibt immer noch Unternehmen, die der Virtualisierung ablehnend gegenüber stehen. Die Marktdurchdringung des Platzhirsches VMware liegt bei ca. 10 %. Daran sehen Sie, es ist noch ein gigantisches Potenzial da, vor allem im Bereich produktiver Systeme. An welchen technischen Indikatoren erkennt ein Kunde, dass die Zeit für Virtualisierung gekommen ist? Was gibt letztendlich den positiven Ausschlag? Der beste Zeitpunkt ist sicherlich, wenn ein Unternehmen sowieso über einen Infrastrukturwechsel nachdenkt. Heute ist es oft so, dass man von lokalem Storage auf SAN wechselt. Dort ist der Zeitpunkt ideal. Mit Virtualisierung beschleunigt man den Prozess des Hardware-Software-Wechsels. Hinzu kommen Eigenkapitalvorschriften wie Basel II, die Unternehmen zwingen, ein Ausfallrechenzentrum bereitzustellen und sich Gedanken über die Verfügbarkeit ihrer Services zu machen. Dort ist man mit Virtualisierung besser und kostengünstiger aufgestellt. Ein wichtiger Indikator ist außerdem das Streben nach Energieeffizienz. Virtualisierte Umgebungen tragen hier durch die Reduzierung der Hardware zur Entlastung der Stromversorgung und der Kühlanlagen bei. Gerade das Einsparpotenzial bei den Klimakosten und den USV-Systemen ist enorm! Welche Produkte der Softwarehersteller halten Sie für besonders wichtig? Es gibt zwei wesentliche Themen: Das eine sind die Kosten, das andere die Verfügbarkeit. VMware hat in der langen Zeit, in der sie in Mittel- und Großrechenzentren verfügbar sind, bewiesen, dass man sich auf die Lösungen verlassen kann. Citrix und Microsoft dagegen sind kostengünstiger und bieten einen ausreichenden Funktionsum-
